Second Leg - Lefkas -Biograd


25. Oktober 2015 13 Uhr Ortszeit in Lefkas fordert ein lauter Signalton die Teilnehmer des Rennens The Race - 1000 Miles zum Auslaufen aus der Marina von Lefkas auf. Es geht durch den Kanal Richtung Brücke, die den Hafen von Lefkas vom Meer trennt. Schön langsam treffen alle Yachten im Startgebiet ein und werden eine nach der anderen verplombt. Wettfahrtleiter Gerd Schmidleitner hat einen Halbwindstart vorgesehen. Der Wind ist wieder ziemlich schwach und die Vorstartphase für die Steuerleute nicht ganz einfach. Bei 7 Knoten Wind wird pünktlich um 16 Uhr das Feld auf die Heimreise nach Biograd geschickt. Wir starten über die Boje und nicht beim Startschiff. Unser Taktiker und CoSkipper hatte wieder die richtige Nase. Aus der Richtung des Startschiffes hören wir hektische "Raum" Rufe und so manches dumpfe Geräusch, das auf Vollkontakt schließen lässt. Wir haben wieder einen soliden Start ohne jede Feindberührung und etablieren uns in der erweiterten Spitzengruppe. Richtig kitschig segeln wir Kurs West in die untergehende Sonne - einfach traumhaft. Nach 12 Stunden beginnt sich das Feld zu teilen. Der eine Pulk hält auf Korfu zu, während die anderen ihre Hoffnung auf dem entgehen der Flautenfelder weit draußen am ionischen Meer setzen. Die Windprognosen für die nächsten beiden Tage sind sehr ernüchternd. Wir machen Meile um Meile Richtung Westen. Es geht nur schleppend voran, mal kommen wir in einem Windstrich ganz gut voran, dann stehen wir wieder. Das zehrt schon sehr an unseren Nerven. In der zweiten Nacht orientieren wir uns weiter nach Nordwesten und ernten die Früchte unserer Taktik. Mit über 6 Knoten Fahrt geht es dahin. Wir liegen an 7. Stelle der Gesamtwertung, während das Hauptfeld sich westlich von Korfu eingeparkt hat. Bis zum Mittag des 2. Tages kommen wir gut voran. Dann dümpeln wir wieder. Nach 48 Stunden befinden wir uns in der Mitte der Straße von Otranto an 9. Stelle der Gesamtwertung und kämpfen uns bei wenig Wind weiter Richtung Heimat. So geht es auch die nächsten Stunden so weiter, bevor bei Sonnenuntergang des dritten Tages der Wind auf Süd dreht und wir mit dem Spi mit 7 Knoten Richtung Nordwesten fahren. Nach 85 Stunden nimmt der Jugo an Stärke zu und weht jetzt so mit 25 Knoten. Da bauen wir wieder einen Sonnenschuss. Mit vereinten Kräften bergen wir den Spi und nehmen ohne Spi Kurs auf Vis. Wir surfen zeitweise mit 7 bis 8 Knoten auf den 3 Meter Jugowellen dahin. Nach 100 Stunden dann eine Schrecksekunde. Zuerst ertönt aus dem Funkgerät eine auf kroatisch abgesetzte Securite Meldung. Kurz darauf wissen wir, was gemeint war. Eine Gewitterfront zieht über uns hinweg. Plötzlich löst sich das Genuafall und die Genua kommt im freien Fall das Vorstag herunter. Dann ist sie auch schon vom Sturm ins Meer geweht worden. Die Crew reagiert geistesgegenwärtig und rasch wird die Genua in die Bugkabine geborgen und als wir uns im Windschatten von Vis befinden, gleich wieder gehisst. So schnell wie es gekommen ist, ist das Gewitter auch wieder vorbei und wir haben einen Anlieger auf Zirje. Mit 8 Knoten fliegen wir dem Ziel entgegen, als gegen 4 Uhr früh plötzlich die Bora mit 20 bis 30 Knoten Windstärke durchreißt. Wir müssen reffen und uns bei hohen Wellen durch die kleinen Inseln ins Murtersko More kämpfen. Unser direkter Gegner die Viviane hat einen besseren Winkel zum Eintauchen in die Inselwelt gewählt und nimmt uns auf den letzten Metern noch 23 Minuten und den von uns erhofften 3. Platz in der Klassenwertung weg. Nach 113 Stunden 55 Minuten und 52 Sekunden überqueren wir überglücklich die Ziellinie vor Biograd. Wir haben es doch tatsächlich geschafft, innerhalb der Deadline unter Segel ins Ziel zu kommen ! In unserem Kielwasser folgen uns 6 Yachten unter Motor. Sie haben uns auf den letzten Meilen eingeholt, sind aber so sportlich und fair und lassen uns unbehindert ins Ziel fahren. Genau auf der Ziellinie öffnen wir ein Flascherl unseres Sektsponsors vom Kronhof und genehmigen uns einen prickelnden Schluck. Anschließend werden die Segel geborgen und wir laufen müde, aber überglücklich in die Marina von Biograd ein. Ein Jahr der Planung, des Trainings und des Wettkampfes sind nun Geschichte. Eine tolle Zeit und eine saugeile Segelerfahrung liegen hinter uns.