First Leg - Biograd nach Lefkas


18. Oktober 2015 13 Uhr Ortszeit in Biograd - die Yachten verlassen schön langsam die Marina Kornati und sammeln sich im Startgebiet zwischen Biograd und Tkon. Der Rennleiter Gerd Schmidleitner hat eine neutrale Startlinie gelegt. Während die Yachten auf das Verplomben der Motoren warten, schläft der ohnehin nur leichte Jugo ein. Die Nerven bei so manchem Crewmitglied liegen blank. Haben wir doch eine 2 Knoten starke Südströmung und noch eine ordentliche Distanz bis zum Startboot zurück zu legen. Der für die Startphase zuständige Taktiker unser CoSkipper entscheidet sich beim Startschiff zu starten. Nachdem das letzte Schiff plombiert wurde, kommt wieder Wind auf. Bei etwa 7 Knoten ertönt genau um 16 Uhr der Startschuß. 2 Teilnehmer sind etwas zu ambitioniert gestartet und waren zu früh dran. Sie werden von der Rennleitung mittels Einzelrückruf belegt. Wir sind nicht zu früh dran, sondern überqueren 5 Sekunden nach dem Startschuss ganz in Luv die Startlinie. Der Wind scheint Richtung der Insel Pasman etwas stärker zu sein und wir entscheiden uns bald für eine Wende und folgen nicht dem Hauptfeld fast aller anderen Yachten. Keine schlechte Entscheidung ! Bei Einbruch der Dunkelheit liegen wir so um Platz 10 in der Gesamtwertung. Die Stimmung ist super !

Nach einer windschwachen Nacht kommt gegen Morgen ein Jugo mit 10 bis 15 Knoten auf. Das Hauptfeld bewegt sich Richtung Vis. Nach 18 Sunden passieren wir die Insel Svetac und befinden uns noch immer auf dem 10. Platz der Gesamtwertung. Hier haben wir auch die Begegnung der 3. Art.         2 Crewmitglieder orten einen 2 Meter langen Hai. Im Renntempo ist es unmöglich die genaue Spezies des Hais zu identifizieren, aber es ist definitiv ein Hai. Gegen Mittag dreht der Wind von Süd über West auf Nord und weht mit 10 Knoten. Gegen 17 Uhr haben wir Palagruza steuerbord liegen lassen und gehen eine weitere Stunde später auf Südkurs. Vor Einbruch der Dunkelheit des 2. Tages liegen wir noch immer auf dem 10. Gesamtrang und auf Platz 3 in der Bavaria 40s Klassenwertung. Der Nordwind hat auf 15 Knoten aufgefrischt und die erweiterte Spitzengruppe fährt so um die 20 Seemeilen von der italienischen Küste entfernt, parallel zu ihr entlang. Im Morgengrauen wird der Spi gesetzt und wir  surfen auf den Wellen Richtung Südosten auf die Strasse von Otranto zu. Wir haben einen direkten Gegner ausgemacht, die Allegro, und matchen uns unter Spi mit ihr. Ganz gegen unseren Ruf nur auf der Starkwind Kreuz gut zu segeln, kommen wir der Allegro immer näher. Nach 50 Stunden auf See liegt praktisch die gesamte Bavaria 40s Flotte fast gleichauf. Wir sind noch immer 10. der Gesamtwertung, als wir Brindisi passieren. In der Strasse von Otranto hat der Wind weiter aufgefrischt und bläst nun mit guten 20 Knoten. Wir haben noch immer den Spi gestzt und erreichen unsere absolute Höchstgeschwindigkeit auf der Regatta mit 13,8 Knoten ! Nicht schlecht für eine 40 Fuß Yacht mit einer Rumpfgeschwindigkeit von 8,6 Knoten. Als das Anemometer gute 25 Knoten anzeigt, bauen wir einen Sonnenschuß mit dem Spi und bergen ihn, bevor wir ihn ruinieren. Während wir noch mit fast 8 Knoten Speed über die Wellen surfen, hat sich die erste Verfolgergruppe vor Korfu bereits eingeparkt. Die beiden Führenden der Gesamtwertung, sowie die beiden Führenden der Bavaria 40s Wertung sind viel weiter westlich draussen und können ihre Geschwindigkeit von 7 Knoten weiter halten. Schön langsam schleift sich auch die zweite Verfolgergruppe vor Korfu ein. Wir hadern mit dem Schicksal, dabei wissen wir zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass wir Korfu 10 Stunden lang aus der Nähe sehen werden. Als nach 75 Stunden das Führungsduo das Ziel in Lefkas erreicht hat, beginnen wir endlich wieder zu fahren. In einem 3er Pulk segeln wir hart am Wind an Korfu entlang. 4 Stunden später beginnt es zu blitzen & zu donnern. Gleichzeitig legt der Wind auf 25 Knoten zu. Wir legen das 2. Reff ein. Keine Sekunde zu früh. Plötzlich ist der Bär los. Es schüttet wie aus Eimern, der Stürm prügelt mit bis zu 35 Knoten los und die Wellenberge wachsen stetig an. Ihre Höhe erreicht, während wir durch den Zyklon steuern, schließlich so um die 4 Meter. Es ist sehr heftig ! Noch immer segeln wir in einem 3er Gespann. Dieser Umstand ist im Sturm mit stark verminderter Sicht und eingeschränkter Manövrierfähigkeit nicht ungefährlich. Man muß sehr wachsam sein und darf die beiden anderen Schiffe nicht aus den Augen verlieren. Das Unterfangen gelingt so leidlich, bis der Sturm an Intensität noch einmal zulegt. Einige Mitglieder der Crew sind seekrank geworden. Skipper & CoSkipper behalten die Nerven und steuern die Jasmin sicher durch das Unwetter. Andere Yachten haben weniger Glück - eine wird sogar vom Blitz getroffen und die gesamte Bordelektrik fällt aus. Sie kommen jedoch trotzdem in Lefkas an. Im Morgengrauen ist der Spuk vorbei und die Windstärke sinkt auf 10-15 Knoten. Die Windverhältnisse bleiben jedoch schwierig, da sich die Windrichtung permanent ändert. Wir kommen unserem Etappenziel jedoch weiter langsam näher. Am Horizont erkennen wir 2 Bavaria 40s, also direkte Gegner. Der eine zieht unter Spi mit tollem Tempo unaufhaltsam dem Ziel entgegen, während der zweite, wie wir in einem lokalen Windloch dümpeln. Plötzlich - aus dem Nichts haben wir 15 Knoten raumen Wind und fliegen mit über 8 Knoten auf das Ziel zu. Unser Gegner hat halben Wind zur Zielboje. Es wird extrem knapp ! Schließlich überqueren wir nach 94 Stunden 17 Minuten und 5 Sekunden, exakt 2 Minuten und 15 Sekunden vor der Capivari, die Ziellinie. Als 17. Team in der Gesamtwertung haben wir unseren Zielhafen erreicht. Die Emotionen brechen aus uns heraus. Alle sind überglücklich das Ziel in Lefkas erreicht zu haben. Wir köpfen einen Gelben Muskateller und leeren gemeinsam die Bouteille, bevor wir in den Hafen von Lefkas einlaufen. Dort werden wir anschließend sehr freundlich vom Pitter Team mit einer Flasche Ouzo begrüßt. Und dann haben wir ordentlich gefeiert ...